Fakts


Nevado Sajama

Höhe


6.542 m

Lage


Oruro, Bolivien

Gebirge


Anden, Typ Stratovulkan

Geographische Lage


18°6'14"S, 68°52'53"W

Erstbesteigung


1939, Piero Ghiglione und Josef Prem

Normalweg


Hochtour

Besonderheiten


Höchster Berg Boliviens
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Reisebericht

Bolivien, Nevado Sajama, 2004

Eine Radtour zum höchsten Berg Boliviens

Per MTB vom Ufer des Pazific in Nordchile über die Anden (4770m) zum Fuße des Vulkans Sajama (6595m), dem höchsten Berg von Bolivien. Eine traumhafte Radtour mit der Krönung von 360° Fernsicht vom Gipfel des Sajama über das Altiplano der Anden.

Auch in diesem Jahr stand wieder eine Bike & Climb – Tour in Südamerika auf dem Plan.
Natürlich fehlte mir mal wieder die Zeit zum Trainieren und ich hatte jedesmal ein schlechtes Gewissen wenn Jan , mein Vereinskollege und Reisepartner, von seinen absolvierten Trainigskilometern sprach. Plötzlich war es jedoch Ende Oktober und der Abflug stand bevor.

Innerhalb von einem Tag sortierte ich aus meinem Fundus die nötige Ausrüstung zusammen, verpackte das Rad in einem Radkarton und tauschte die nötigen „Dollares“.

Erst im Flieger wurde mir richtig bewußt, das es nun losgeht. Dank Iberia waren wir schon beim Umsteigen in Madrid zu spät dran. In Santiago de Chile hatten wir allerdings reichlich Zeit für den Umsteiger in den Inlandsflug nach Arica, zumal unser gesamtes Gepäck ja durch gesandt werden sollte. Eher durch Zufall entdeckten wir dann unsere Radkartons an einem Gepäckband. Nun mißtrauisch geworden suchten wir unser weiteres Reisegepäck auf dem Flughafen. Nach einer längeren Diskussion stellte sich dann heraus, das es noch in Madrid läge und voraussichtlich 24 Stunden später in Arica eintreffen würde. Nachdem wir der netten Dame von LAN- Chile, dem hiesigen Partner von Iberia Airlines /Spanien, erklärt hatten, das wir ja radelnde Bergsteiger seien und uns somit das Geld für das Hotel zum Warten fehle, sponsorte sie unsere Tour mit jeweils 100,- US-$ aus der LAN Chile - Kasse.

So ließ sich der Wartetag versüßen und für die erste Woche waren die Reisekosten schon drin.
Tatsächlich traf dann am nächsten Tag unser Gepäck ein und wir verließen radelnd um die Mittagszeit die Stadt.
Am ersten Tag fuhren wir noch 40 km und nach gut 1000 Höhenmetern stellten wir unser Zelt auf. Die Straße schlängelte sich permanent ansteigend in den nächsten sieben Tagen von Meereshöhe bis auf 4770m.

Hatten wir am ersten Tag noch die Pelikane und Seelöwen am Hafen bewundert, so sahen wir derzeit nur noch Vicunas, wilde Lamas, und Geier . Nach den Krämpfen am Ende des zweiten Tages hatte ich mich so gut eingeradelt, das ich perfekt mit Jan mithalten konnte. Wir hatten in etwa die gleiche Grundgeschindigkeit und ohne viel Gerede fuhren wir unsere Tagesetappen. Unsere Räder liefen, auch Dank der guten Unterstützung der Leute vom Magdeburger Radladen „Eldorado“, perfekt und die Rohloff- Schaltungen erwiesen sich als optimal für unsere Belange. Sie schalteten so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und der Sand und Staub der Atacama - Wüste konnte ihnen nichts anhaben. Wäre nicht das jährliche Problem mit den VauDe- Reißverschlüssen gewesen, wir hätten nichts zu reparieren gehabt. Seit Jahren sind wir nun mit Ausrüstung der Tettnanger Firma VauDe unterwegs und sie begleitet alle Aktionen des Alpin- Clubs Sachsen/Anhalt. So durchdacht und innovativ das Equipment auch ist, stets steigen irgendwelche Reißverschlüsse, wohl auch unserer Vorliebe für sandige Wüsten- und Bergtouren geschuldet, aus. Nach dem Passieren der chilenisch- bolivianischen Grenze lag unser Ziel, der 6542m hohe Berg Sajama, der höchste Berg Boliviens vor uns. Nun galt es noch die Tiefsandpiste von der Hauptstraße bis in den Ort Sajama halb schiebend und halb fahrend zu bewältigen und für unsere Räder war für einige Tage Urlaub angesagt. Wir meldeten uns vorschriftsmäßig bei der lokalen Nationalparkverwaltung an, zahlten die Parkgebühr und ließen uns für den Besteigungsversuch registrieren. So nebenbei erfuhren wir das der Berg , entgegen allen unseren Informationen, jährlich vom 15. November bis circa Ende März für Bergsteiger gesperrt ist. Doch wir hatten glücklicherweise noch einige Tage Zeit. Auch nach längeren Diskussionen ließen wir uns nicht erweichen einen Guide und / oder Hochträger zu mieten. Gegen 20 Uhr Ortszeit kam dann der Chef des Nationalparks und inspizierte unsere Ausrüstung. Wir hatten zwar nicht viel mit, da unsere Radzuladung ja begrenzt war, aber was wir mit hatten genügte wohl seinen Ansprüchen. Am nächsten Morgen ging es gegen 7 Uhr vom 4300m hohen Dörfchen Sajama in gut 4 Stunden bis ins sogenannte Basecamp auf 4700m. Hier stellten wir unser Zelt auf und stiegen weitere 350 Höhenmeter zur Akklimatisierung bergan. Ab dem Basecamp folgt man deutlichen Steigspuren bis ins 5500m hohe Lager „Campo Alto“, welches wir am darauf folgenden Tag erreichten. Entgegen der in Europa üblichen Taktik des Nachtaufstieges gingen wir am Gipfeltag erst gegen 5.30 Uhr los. Nach gut einer Stunde Aufstieg im Licht der Stirnlampe erreichten wir die Schneegrenze. Aufgrund der Temperaturen in den letzten Tagen hatte sich der Hang in große Büßerschneefelder mit Blankeisstufen dazwischen verwandelt. Dadurch gestaltete sich der Aufstieg mühsam und vor allem langwierig. Uns hatte sich ein französischer Bergsteiger angeschlossen und zu dritt stiegen wir im warmen Licht der Sonne in den nächsten Stunden bergauf. Jan beschloss auf 6495m Höhe, also gut 100 Höhenmeter unter dem Gipfel, umzukehren. Pierre und ich stiegen die letzten 100 Höhenmeter weiter, wobei wir uns aufgrund der Spaltenbildung kurz unter dem Gipfel noch anseilen mußten. Nach den obligatorischen Gipfelphotos begann der Abstieg. Er gestaltete sich im Labyrinth der Penitentesfelder als recht schwierig. Erst gegen 20 Uhr waren wir wieder am Zelt und nach einer kurzen Kocheinlage sanken wir in Morpheus Arme. Der Abstieg ins Dorf Sajama war dann in gut 4,5 Stunden bewältigt und bei Bier und reichlich Essen freuten wir uns schon auf die lange Abfahrt von dem Altiplano runter zum Meer. Doch bevor wir die Räder rollen lassen konnten, mußten noch mal 2500 Höhenmeter im permanentem Auf und Ab bewältigt werden. Dann folgte allerdings das Highlight der Tour, es ging nur noch bergab. Die gut 4500 Höhenmeter der Abfahrt waren in reichlich einer Stunde „verbrannt“ . Da wir etwas früher als geplant zurückfliegen wollten, hatten wir telephonisch versucht unseren Rückflug umzubuchen. Entgegen der Zusicherung von Iberia ging natürlich alles schief. Ergo setzten wir uns gegen Mitternacht in den Bus und innerhalb von 35 Stunden fuhren wir immer an der Küste entlang zurück nach Santiago. Wir erreichten den Flughafen gegen 8 Uhr morgens und nach einer längeren Diskussion und dem zahlen von 100,- Euro konnten wir dann 14 Uhr in den Flieger steigen. Nach meiner Ankunft in Magdeburg packte ich mein Rad aus dem Karton und mußte feststellen, das die Federgabel ziemlich ramponiert war. Iberia antworte mir ablehnend auf mein diesbezügliches Schreiben mit einem Hinweis auf eine ältere Gerichtsentscheidung . Ich hätte direkt am Flugplatz mein Rad auspacken , kontrollieren und beanstanden müssen. So wie der gesamte Service von Iberia vor und während des Fluges, war auch der Service nach dem Flug recht mies. Lediglich die Mitarbeiter von LAN- Chile, der Partner von Iberia, waren nett und Kunden orientiert. Also wer es sich aussuchen kann, sollte dann doch lieber gleich bei LAN buchen.